Optimist sein heute

Wie übersteht man den Lockdown?

Die eigene Wohnung ist in diesem Jahr zu einer Festung geworden. So eine Festung wie im Mittelalter - mit einer großen Mauer und einem tiefen Wassergraben herum. Die Bewohner haben sich zurückgezogen und beobachten über die Bildschirme, was sich da draußen abspielt. Sie warten, bis der Spuk vorbei ist.

Dabei wird dieses Leben in der Warteschlange oftmals anstrengend, langweilig oder auch deprimierend. Dagegen wollen wir angehen! Denn düstere Stimmungen lassen sich oft mit einfachen Mitteln vertreiben - man muss sich nur aufraffen und offen für Neues sein. Diese neun Tipps sind einen Versuch wert:

1. Musikflucht
Statt Radiogedudel mal selbst eine verrückte Playlist zusammenstellen, in der Elton John auf Radiohead folgt und Sade fast ein Duett mit Metallica anstimmt? Warum nicht! Oder man kramt eine CD aus der Jugend heraus. Vielleicht liegt noch irgendwo eine selbst eingespielte Kassette vom damaligen Schwarm herum? Je weiter weg von heute, desto besser. Mit dieser Musik werden selbst Aufräumpflichten zu einem Kinderspiel. Laut mitsingen ist ausdrücklich erwünscht! Because nothing else matters...

2. Aromaflucht
Eine Freundin vermisst das Meer so sehr, dass sie sich jeden Abend den Ozean in die Wohnung holt. Wie sie das schafft? Mit Meeresrauschen und einer Badewanne voller wohltuender Aromaöle. Diese wirken entspannend und helfen dem Gehirn beim Abschalten. Ihr Badezimmer ist im Lockdown auch zu einer Oase voller Blumen und Bilder mutiert, die die kleine Flucht aus dem Alltag unterstützen.

3. Träumeflucht
Der Mensch an sich ist ein Träumer, nur sperrt er diesen Teil von sich oft ein. Wenn aber wenig Ablenkung da ist, ist es die perfekte Zeit, um diesen Teil von sich zu entdecken. Wovon träumst du schon so lange? Was wolltest du schon immer machen? Vielleicht kann man diesen - meist großen - Traum in kleine Schritte zerlegen oder einen Teil heraussuchen. Er sollte in die Lebensumstände passen und machbar sein. Ich wollte zum Beispiel schon immer zeichnen lernen. Dazu verliebe ich mich zurzeit in jedes gut gezeichnete Kinder- oder Jugendbuch. Deshalb spüre ich: Es ist die perfekte Zeit. Vor ein paar Tagen ist das Buch "Zeichnen lernen in 5 Wochen" angekommen. Ich freue mich auf diese Zeit - und auch auf die missglückten Versuche. Denn die Autorin schreibt, dass auch diese wichtig sind. Das nimmt mir die Angst.


4. Schreibflucht
Dieser Punkt musste bei einer Redakteurin natürlich kommen. Aber ich meine nicht Tagebuch schreiben oder Dankbarkeitsbuch führen, wobei das auch zwei prima Methoden sind, die Tage im Lockdown zu überstehen. Mir geht es eher um die Wut, die Enttäuschungen und all die negativen Gefühle, die in uns herumwuseln, ohne dass wir sie aussprechen. Vielleicht weil wir allein sind und niemanden damit belästigen wollen. Oder weil wir die Harmonie in der Partnerschaft oder in der Familie nicht stören wollen. Dann schreib es einfach auf - ohne Struktur und Grammatik, nur drauflos. Was ist gerade frustrierend? Schenk dem Papier deine negativen Gefühle. Danach kann man immer noch mit jemandem reden - und die Gefühle sind schon mal geordnet.

5. Soulfoodflucht
Meine absolute Lieblingsflucht ist gutes Essen - mit Freunden oder auch nur für mich. Das zelebriere ich richtig (während ich das schreibe, habe ich Plätzchen von der Nachbarin im Mund und grinse). Deshalb kann ich es nicht nachvollziehen, wenn Menschen sagen, dass sie ungern für sich allein kochen. Ich suche mir meist ein exotisches Gericht aus, zurzeit mache ich zum Beispiel oft Bowls oder Shakshuka. Ein Gedicht für Tomatenliebhaber wie mich! Oder ich bereite kleine Tapas für einen Serienabend vor. Der Körper weiß, was er gerade braucht - und der Kopf hat Sendepause.

6. Spielflucht
Wenn man Kinder hat, hat man auch die beste Ausrede, um viel zu spielen. Der Trick dabei ist, komplett abzuschalten und sich ins Spiel hineinzusteigern. Schau dir die Kinder an, wie sehr sie jeden Zug genießen und komplett darin versinken! Sie denken nicht an den Arbeitstag morgen, was sie kochen sollen oder wann der nächste Ölwechsel ansteht. Alles was sie tun, ist spielen. Sobald man als Erwachsener dieses höhere Niveau erreicht hat, ist jedes Spiel ein Riesenspaß, der Vernunft ausschaltet und Lachen freisetzt.

7. Eisflucht
Endorphine auf Knopfdruck gefällig? Das ist jederzeit möglich - wenn man einen Fluss oder einen See in der Nähe hat. Das Eisbaden hat in Deutschland bereits zahlreiche Anhänger. Dabei steigt man für ein paar Minuten ins Wasser, auch im Herbst und Winter. Ja, es ist kalt. Der Trick dabei ist: nicht nachdenken, langsam hineingehen und auf die Atmung konzentrieren. Zu zweit oder zu dritt macht es noch mehr Spaß und man unterstützt sich gegenseitig. Und hinterher lacht man zusammen, einfach weil man glücklich ist und der Körper sich mit Endorphinen und stärkeren Immunkräften bedankt.

8. Tanzflucht
Klar kann man zuhause allein abrocken. Aber noch mehr Freude macht es, mit anderen Menschen abzudancen. Weltweit gibt es unzählige Communities, die zusammen tanzen - per Zoom, fester Uhrzeit und auf allen Kontinenten. Jeder Teilnehmer entscheidet selbst, ob er dabei gesehen werden möchte oder seine Kamera lieber abschaltet. Die Veranstalterin von der russischen WeDance-Community sagte mal: "Wann immer du bereit bist, kannst du deine Kamera einschalten." Das fand ich sehr schön - und einladend. Die Bewegungen sind dabei total egal, einfach zur Musik tanzen und alle Sorgen vergessen! Wer es mehr als Fitness begreifen will, kann zum Beispiel die Seite dancingalonetogether.org besuchen. Dort kann man noch bis Ende 2020 Stunden bei professionellen Tänzern buchen und per Zoom mit anderen trainieren.

9. Locationflucht
Für kreative Menschen ist die Veränderung der Umgebung besonders wichtig: Sie pumpt uns voll mit wildesten Eindrücken und bietet neue Impulse. Deshalb schreibe ich gern in Cafes oder in Coworking Spaces - das fehlt mir zurzeit am meisten, neben Schwimmen. Außerdem habe ich es satt, auf der Couch zu hocken. Deshalb ist mein Wohnzimmer nun auch ein Café: Ich bastele mir einen Stehtisch und spiele dazu Café-Geräusche ab. Du wirst nicht glauben, WELCHE Hintergrundgeräusche man auf Youtube findet! Und es hilft tatsächlich: Sobald man die gewohnte Umgebung etwas verändert, erscheint sie im neuen Licht. Bestimmt gibt es Geräusche, die dir helfen, abzuschalten oder deine Arbeit mit mehr Spaß zu machen. Und ich brauche jetzt nur noch einen coolen Namen für mein Wohnzimmer-Café...

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Tilda