Optimist sein heute

Sprachenliebe

Sprachen sind ein wahrer Schatz und ein Mysterium. Rein zufällig bin ich mit zwei Sprachen aufgewachsen, die beide von sich behaupten, besonders reichhaltig und mächtig zu sein. Deutsch und Russisch sind die intellektuellen Angeber unter den Weltsprachen. Die größten Dichter und Schriftsteller haben sie benutzt, um uns an ihren Gedanken teilhaben zu lassen.

Ich liebe Sprachen - und schäme mich deshalb, wenn ich etwas falsch ausspreche. Vor Aufregung oder weil sich die Sprachen in meinem Hirn kreuzen und ein Kuddelmuddel erzeugen. Kuddelmuddel ist ein gutes Beispiel, wie wundervoll Deutsch ist: Wie perfekt dieses Wort die Situation beschreibt, ein Bild im Kopf entstehen lässt - ein ineinander gekuddeltes Muddel. Nicht identifizierbar, aber knuddelig. Geborgenheit ist auch so ein deutsches Wort, dass sofort ein Gefühl erzeugt.

Die russische Sprache hat so wahnsinnig schöne Wörter und Ausdrücke, wie prelest (herzzerreißende Schönheit), pogovorit po duscham (Seelengespräche führen, meist in der Küche), perementschivost (wenn sich etwas oder jemand schnell oder ständig verändert) und der ganze russische Mat. Das ist eine eigene Schimpfwörter-Sprache, mit der man seine Gefühle unvergleichbar eindrucksvoll in die Welt schicken kann.

Auch im Englischen gibt es bezaubernde Wörter, wie das erhabene cathedral, das einlullende lulluby, das brummende bumblebee oder das zarte rosehip. Und wenn ich Spanisch höre, bin ich beseelt. Es spricht einen Teil in meinem Herzen an, den ich nicht ganz begreife. Ja, Sprachen sind definitiv ein Mysterium!
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Tilda